J.F.Kennedys Rede über Geheimgesellschaften, Verschwörungen und die Pressefreiheit
SeineRede vom 27. April 1961 in New York vor der American Newspaper Publishers Association unter dem Titel "The President and the Press" könnt ihr hier komplett mit Untertitel hören und gegebenenfalls lesen.
Für denjenigen der so überhaupt keine Lust hat sich jetzt die Rede anzuhören, habe ich die vielleicht wichtigsten Passagen hier nachgeschrieben:
Schon das bloße Wort „Geheimhaltung“ ist abstoßend, in einer freien und offenen Gesellschaft. Wir sind als Nation von unserem Erbe her und historisch gesehen, Gegner geheimer Gesellschaften, geheimer Eide und geheimer Zeremonien. Wir haben uns vor langer Zeit entschieden, dass die Gefahren einer übertriebenen und ungerechtfertigten Geheimhaltung der wichtigsten Fakten die Gefahren weit überwiegen, welche angegeben werden, um sie zu rechtfertigen.
Sogar heute ist es von wenig Wert, der Gefahr einer geschlossenen Gesellschaft entgegenzutreten, in dem man ihre willkürliche Einschränkung imitiert.
Sogar heute macht es keinen Sinn, das Überleben unserer Nation zu sichern, wenn unsere Traditionen nicht ebenfalls mit ihr überleben.
Und es gibt die sehr ernste Gefahr, dass die verkündete Notwendigkeit für eine erhöhte Sicherheit von denen als Vorwand genommen wird, welche ungeduldig damit deren Bedeutung erweitern wollen, um bis zu den Grenzen der offiziellen Zensur und Verheimlichung zu gehen. Es ist meine Absicht dies nicht zu erlauben, sofern es in meiner Macht liegt, und kein Offizieller meiner Regierung, egal ob sein Rang hoch oder niedrig ist, Zivilist oder Militär, sollten meine Worte heute Abend als Ausrede für eine Zensur der Nachrichten benutzen, oder Andersdenkende zu unterdrücken, unsere Fehler zu vertuschen oder der Presse oder Öffentlichkeit Fakten vorzuenthalten, die sie wissen sollten.
Wir stehen auf der ganzen Welt einer monolithischen und rücksichtslosen Verschwörung gegenüber, welche hauptsächlich auf verdeckte Mittel setzt, um ihren Raum für Einflüsse zu erweitern mit Infiltration statt Invasion, mit Umsturz statt Wahlen, mit Einschüchterung statt Selbstbestimmung, mit Guerillakämpfen bei Nacht statt Armeen bei Tag. Es ist ein System, welches gewaltige menschliche und materielle Ressourcen einsetzt, um eine engmaschige und effiziente Maschinerie aufzubauen, die militärische, diplomatische, geheimdienstliche, wirtschaftliche, wissenschaftliche und politische Operationen verbindet. Ihre Vorbereitungen sind verdeckt und werden nicht veröffentlicht, ihre Fehlschläge werden begraben und nicht verkündet, ihre Widerständler werden Mund tot gemacht und nicht gelobt, keine Ausgabe wird in Frage gestellt, kein Gerücht veröffentlicht, kein Geheimnis enthüllt.
Kein Präsident sollte sich vor der Überprüfung seines Regierungsprogramms fürchten. Aus dieser Prüfung entsteht Verständnis und aus diesem Verständnis kommt Unterstützung oder Opposition, und beides ist notwendig. Ich bitte ihre Zeitungen nicht eine Regierung zu unterstützen, sondern ich bitte um ihre Hilfe bei dieser enormen Aufgabe das amerikanische Volk zu informieren und aufzuwecken, denn ich habe großes Vertrauen in die Reaktion und dem Engagement unserer Bürger, wenn sie uneingeschränkt informiert werden. Ich kann keine Kontroverse unter ihren Lesern unterdrücken, ich begrüße dies.
Diese Regierung hat die Absicht aufrichtig zu ihren Irrtümern zu stehen, denn ein weiser Mann hat einmal gesagt: „Ein Irrtum wird nicht zu einem Fehler, außer man weigert sich diesen zu korrigieren“. Wir haben die Absicht, volle Verantwortung für unsere Fehler zu übernehmen und wir erwarten von Ihnen, dass Sie uns darauf hinweisen, wenn wir das Versäumen. Ohne Debatte und Kritik kann keine Regierung und kein Land erfolgreich sein, und keine Republik kann überleben. Deshalb verfügte der athenische Gesetzgeber Solon, dass es ein Verbrechen für jeden Bürger sei, vor Meinungsverschiedenheiten zurückzuweichen und genau deshalb wurde unsere Presse durch den ERSTEN Verfassungszusatz besonders geschützt, die einzige Branche in Amerika welche durch die Verfassung speziell geschützt wird. Nicht primär um zu amüsieren und zu unterhalten, nicht um das Triviale und Sentimentale zu fördern, nicht um dem Publikum immer das zu geben, was es gerade will, sondern um zu informieren, aufzurütteln, zu besinnen, über Gefahren und Möglichkeiten zu informieren, um unsere Krisen und unsere Wahlmöglichkeiten aufzuzeigen, die öffentliche Meinung zu führen, zu formen, zu bilden und manchmal sie sogar zu provozieren.
Das bedeutet mehr Berichte und Analysen von internationalen Ereignissen, denn das alles ist heute nicht mehr weit weg und fremd, sondern ganz in der Nähe und zu Hause. Das bedeutet mehr Aufmerksamkeit und besseres Verständnis der Nachrichten sowie verbesserte Vermittlung, und es bedeutet schließlich, dass die Regierung auf allen Ebenen ihre Verpflichtung erfüllen muss Sie mit den ausführlichsten Information zu versorgen, außerhalb der engen Grenzen der Staatssicherheit.
Es liegt in der Verantwortung der Printmedien, die Taten der Menschheit aufzuzeichnen, der Bewahrer dessen Gewissens zu sein, der Bote ihrer Nachrichten, damit wir die Kraft und den Beistand finden, auf dass mit ihrer Hilfe die Menschen zu dem werden, wozu sie geboren wurden: frei und unabhängig!
Diese Rede sollten sich die Altmedien und die Regierungen dieser Welt hinter die Ohren schreiben.